GREGOR KUSCHMIRZ
INFO   INDEX   ENGLISH Rare Window Wieder, immer und immer wieder! – Wortlos wiederholte Handlungen kennzeichnen das filmische Schaffen von Gregor Kuschmirz.

So thematisiert Kuschmirz beispielsweise in 'Chase 75' in einem nahezu endlosen Hase und Igel-Spiel das Streben nach medialer Aufmerksamkeit und stellt er in 'Dorsoduro' durch die 500fache Überquerung einer Brücke Bezüge zwischen Venedig und den nahe gelegenen Bergen her.
Das Politische tritt in Kuschmirz’ Videoarbeiten mit unterschiedlicher Deutlichkeit zu Tage: Ganz offen etwa durch die Verwendung von Kriegsfotografie aus dem Archiv der Vereinten Nationen in 'But First' , subtiler im metaphorischen Puppenspiel von 'In Waves' und gänzlich hintergründig in der Leere des Nullsummenspiels der Akteure aus 'Flysch'.


Bei aller Verschiedenheit verbindet die Videos und Videoinstallationen der Auswahl Rare Window ihr jeweils hohes Maß an Strukturiertheit.


Flysch


Aus unterschiedlichen Perspektiven fällt der Blick auf eine Gruppe junger Frauen und Männer, deren Handlungen sich gegenseitig spurlos aufheben, jedoch ohne direkte Interaktionen miteinander. Die Videoinstallation Flysch beruht auf einer Bibliothek nahtlos kombinierbarer Filmfragmente, die sich auf mehreren Projektionsflächen während der Laufzeit zu einer unendlich variierenden Endlosschleifen zusammensetzen.
Die gleichzeitige Vielansichtigkeit dieses Geschehens macht den Betrachter omnipräsent und wirft ihn, durch die nahezu magische Unsichtbarkeit anderer Kameras auf sich selbst – den auf ewig Nicht-dabei-Gewesenen – zurück.

Videoinstallation, 42min. total, Monteombraro/München, 2003

Chase 75


"Vielen Dank für die Blumen" erschallt es zu Beginn der deutschen Fassung von Tom und Jerry. In Chase 75 gibt Kuschmirz den Tom, während die Kamera Jerry´s Rolle übernimmt. In 75 Einstellungen läuft Kuschmirz auf die Kamera zu – die jeweils im allerletzten Moment auf eine neue Position springt. Der Strauß gelber Blumen, den Kuschmirz dabei in der linken Hand hält, bleibt somit ohne Empfänger.

Videoloop für einfache oder Doppelprojektion, 3min., Kairo, 2008

But First


Gregor Kuschmirz setzt sich in diesem Musikvideo für das italienische Künstlerduo 'Nagel' mit dem Scheitern der Vereinten Nationen in Syrien auseinander.
Im rhythmisch flackernden Scheinwerferlicht bewegen sich Möbelstücke und Ruinen auf einer Drehbühne. Kriegsbilder fallen auf die Rückwand und reflektieren im Boden. Dazwischen spricht eine Stimme wirre Sätze von Tod und Kampf: "but first I will fight".

Musikvideo, 5 min., Köln, 2013

In Waves


Kuschmirz und Dörning lassen die Puppen tanzen. Es ist Nacht. Wir sind im Museum. Zur komplexen Musik des italienischen Künstlerduos 'Nagel' setzen sich die Exponate in Bewegung. Als Puppenspieler agieren Kuschmirz und Dörning dabei deutlich sichtbar und werden somit Teil ihrer präzisen Choreografie.

Musikvideo, 5 min., Köln, 2017

Coincidence


Auf 6 im Raum verteilten Fernsehgeräten interpretiert der italienische Klangkünstler Diego Cofone mit unterschiedlichen Blasinstrumenten eine Partitur, die ihm Instruktionen zu Lautstärke, Tonhöhe, Pausen und seiner Distanz zur Kamera gibt. Während des 9-minütigen Konzerts überlagern sich Videoloops unterschiedlicher Länge, deren jeweilige Laufzeit durch eine Animation der Farbkanäle des Videobildes veranschaulicht wird.

Videoinstallation, 9 min., Catena die Villorba, 2005

Dorsoduro


Dorsoduro entstand im Rahmen der Kulturinitiative "Venice is not sinking" und ist Kuschmirz' erste Arbeit bei FABRICA. Ausgehend von einer 1000m-Höhenmarke, die Kuschmirz im südlichen Ausläufer der Alpen aufgespürt hatte – dem Venedig am nächsten gelegenen Punkt dieser Höhe – thematisiert er das vermeintliche Sinken der Stadt mit einem Blick in die Höhe. Kuschmirz überquert eine Brücke im venezianischen Stadtteil Dorsoduro stolze 500 mal (ein Höhenunterschied von ingesammt etwa 1000m) und unterschneidet die Dokumentation dessen mit einer Fahrt in die Berge.

Video, 3 min., Venedig/Catena die Villorba, 2005
Shoot the Messenger!

Die Auswahl “Shoot the Messenger!” setzt sich mit der Ökonomie der Botschaft und dem Wandel ihrer Kanäle auseinander.
HYPERPUBLIC

Die Auswahl “HYPERPUBLIC” stellt Arbeiten, die sich mit Öffentlichkeit behandeln, in einen Zusammenhang. Im Zentrum steht die “Schüchterne Kamera”.
Location based Identity

Die Auswahl “Location based Identities” fasst Arbeiten zusammen, die Orte, deren Eingrenzung und ihre identitätsstiftende Wirkung behandeln.
Shopping is for poor people.

Die Werke in “Shopping is for poor people” handeln auf unterschiedliche Weise vom Konsum.